Nordtrip I – Lilongwe

Die Feiertage um Weihnachten und Neujahr nutzten wir für eine kleine Rundreise über Lilongwe, Mzuzu, Nkatha Bay und anschließend über den Malawi-Seeweg nach Monkey Bay und Cape Maclear.

 

KarteMalawiNordtrip

BLANTYRE – LILONGWE

Samstag Mittag ging es von Blantyre mit dem Reisebus los nach Lilongwe. Diesen Teil der Reise haben wir noch gemeinsam mit unserer schwedischen Freundin Sara und den beiden Freunden aus Zambia begonnen. Während sich Leonie und Rike gemeinsam mit den anderen für die erste Nacht im Mabuja Camp einquatierten, machte ich einen spontanen Abstecher ins Krankenhaus. Mit Übelkeit, Schwäche, Schwindel, Gliederschmerzen und leicht erhöhter Temperatur kam natürlich als erstes die Angst vor Malaria auf. Bei der Blutuntersuchung stellte sich jedoch eine bakterille Infektion heraus; auch nicht ohne. Unter starken Antibiotika durfte ich dann die nächsten zwei Nächte in der Klinik verbringen.

 

Lilongwe_Klinik
Lilongwe_Klinik

Das war mein erster Aufenthalt in einem Krankenhaus außerhalb Deutschlands. An dem Abend als Rike mich hin gebracht hat konnte ich aber an sowas gar nicht denken. So dreckig gings mir echt ewig nicht… Die Schwester eröffnete mir auch gleich bei der ersten Infusion der Antibiotika, dass ich die nächsten Ladungen auch durch den Zugang zu Hause selbst verabreichen könnte. Bei dem Gedanken an das Hochbett im Camp und ihrem Zögern nach der Frage ‚Kann da viel schief gehen?‘ war die Entscheidung über Nacht im Krankenhaus zu bleiben gefallen.

Lilongwe_Buch
Lilongwe_Buch

In Malawi gibt es nicht viele Krankenhäuser und die Paar, die es in den größeren Städten gibt, unterscheiden sich in private und staatliche. In einem Staatlichen war ich noch nie und kann nicht viel dazu sagen. Mein Aufenthalt fand in einer privaten, kirchlich geführten, Klinik statt. Da wir nach unserer Ankunft in Lilongwe zunächst natürlich nicht mit dem Bedarf eines Krankenhauses gerechnet haben lag es später in der Macht des Taxifahrers das geeignete Krankenhaus zu finden und wir haben im Nachhinein erfahren, dass diese Klinik wohl sehr gut sein soll.

LILONGWE_Zugang
LILONGWE_Zugang

In einem Einzelzimmer mit süßen bunten Käfern an der Wand brachte der Pfleger in der Nacht meiner Ankunft nicht nur ein rosa Mosquitonetz, um es gegen das bereits vorhandene blaue auszutuschen, sondern auch eine extra Matratze. Diese sollte für Rike sein und erst später haben wir verstanden warum der Pfleger so ungläubig geschaut hat, als wir ihm erklärten, dass Rike gleich wieder fährt und nicht über Nacht bleibt.

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LILONGWE_Krankenbett

Nach einer unruhigen Nacht erwartete mich morgens ein erneuter Besuch der Schwester und im Laufe des Vormittgs von drei verschiedenen Ärzten. Während es morgens noch Porridge gab fragte ich mich im Laufe des Nachmittags, ob es wohl auch Mittagessen im Krankenhaus gibt. Immerhin hatte ich schon wieder einen gesunden Hunger, war aber sonst noch sehr neben der Spur. Leonie und Rike kamen zum Glück vorbei und brachten für mich in Erfahrung, dass ich das Mittagessen hätte bestellen müssen und dass ich nun noch Dinner bestellen könnte. Ok, also haben mir die Lieben vom Shoprite (der Riesen Supermarkt in Malawi) ein Sandwich, Bananen und gekochten Reis mitgebracht. *lecker* Als mein Trinkwaser zu Ende war im Zimmer kam die Tochter unserer Chefin mit ihren Freundinnen zu Besuch und sie konnten mir dann noch Wasser besorgen!! Meine Rettung, denn sehr fit war ich am ersten Tag ja noch nicht auf den Beinen und der Pfleger hatte mir nur gesagt, dass er mir kein Wasser bringen kann, aber es vorne im Krankenhaus welches gibt! Da konnte ich natürlich nicht mal eben hin spazieren mit meinem Schwindel und dem ‚handlichen‘ Tropf. Aber auch die Freundinnen waren erstaunt, dass ich ganz allein im Krankenhaus war und niemand bei mir geblieben war. So langsam formte sich ein Bild in meinem Kopf!

Später am Abend, als die Zeit für das Dinner schon längst um war, und ich Sandwich und Reis schon lange verputzt hatte, kam noch eine Schwester vorbei. Zum Einen war sie da um mir die zweite Dosis Antibiotik zu Spritzen, und das hat sie wirklich sehr vorsichtig und lieb gemacht, und zum Anderen bemerkte sie, dass ich noch kein Abendbrot hatte. Mit den Worten ‚Die Küche hat schon zu..‘ verschwand sie aus meinem Zimmer und eine kurze Zeit später kam ein ganze Familie mit diversen Töpfchen und Schalen herein spaziert und servierte mir mit einem breiten Lächeln eine ganze warme Mahlzeit, mit Reis und Pilzen und Spinat und Obstsalat. Da war ich sprachlos! Wie sich später heraus stellte war dies die Familie eines Patienten, der nebenan mit Malaria im Bett lag.

Das war wirklich sehr rührend und bin der Familie sehr dankbar! Nicht nur, dass sie ihr Abendbrot geteilt haben, sondern sie haben auch noch viel Zeit mit mir verbracht und mir nochmal erklärt warum niemand allein im Krankenhaus bleibt!

Der Guardian

Da es in Kliniken hier weder einen Notfallknopf und meist nicht genug Schwestern gibt ist es üblich, dass sich ein/e PatientIn nur mit einem Guardian in ein Krankenhaus begibt. Dieser wacht über den/die PatientIn, hilft, pflegt und versorgt. Dieser Guardian kann aber auch nicht jeder sein, denn innerhalb eines Familie gibt es ‚Reihenfolgen‘. Die Frau kann der Guardian für den Mann sein, aber nicht anders herum. Die Töchter wären ihrer Mutter ein Guardian und die falls die Frau dem Mann kein Guardian sein kann, wären es die Söhne.

LILONGWE_Frühstück und Buch
LILONGWE_Frühstück und Buch

 

In meinem Fall beschlossen die Töchter kurzer Hand für mich abwechseln Guardian zu sein. Das habe ich allerdings am Anfang noch nicht verstanden, und mich erstmal gewundert, dass die so lange bei mir im Zimmer ‚abhängen‘ und auf meinem Bett chillen. Die älteste Tochter hat es mir dann in ihrer ‚Schicht‘ erklärt. So lieb!!! Am Morgen des zweiten Tages wurde ich dann mit Frühstück versorgt und weil ich schon wieder ziemlich fit war, konnte ich auch den Vater der Familie im Nachbarzimmer kennen lernen. Das war eine sehr schöne Begegnung mit dieser Familie und das Kennenlernen des Guardian-Systems.

Da die älteste Tochter selbst in Russland studiert hat konnte sie mich verstehen, da es ihr damals im russischen Krankenhaus anders herum genauso unverstraut war ein Krankenhaus ohne Guardians zu sehen.

Da ich am zweiten Tag schon wieder ziemlich fit war beschloss ich der Entlassung zuzustimmen und verbrachte den Vormittag mit Orgnisatorischem. Endlich war alles erledigt und ich war sehr froh darüber, dass die Kommunikation mit dem VNB und der Auslandskrankenversicherung sehr gut gelaufen ist. Rike hatte sich noch um die Telefonate gekümmert, da ich dazu kaum im Stande war und so ging alles gut. Nach der Entlassung am zweiten Tag zog ich zu den Freunden von Leonie, Sara und Samuel, mit ins Gästezimmer, in dem sich auch schon Rike und Leonie ausgebreitet hatten.

Eigentlich hatten wir Lilongwe als eines unserer Etappenziele fest gelegt, da der deutsche Botschafter die Freiwilligen in Malawi zur Weihnachtsfeier eingeladen hatte, doch leider wurde diese mangels Anmeldungen abgesagt. Der Aufenthalt in Lilongwe war also eher provisorisch, und für mich auch nicht wirklich Urlaub. *zwinker*

Lilongwe_Parlament
Lilongwe_Parlament

Bei einer schnellen abendlichen Rundfahrt durch Lilongwe hat uns Samuel noch ein  Paar ‚Sehenswürdigkeiten‘ gezeigt. Dazu zählt das Parlament der Hauptstadt, das riesige Fußballstadion und die legendären kleinen Holzbrücken bei den Märkten.Die kurze Zeit bei Sara, Samuel und Heide war sehr schön und entspannt nach den anstrengenden Tagen.

Lilongwe_Fußballstadion
Lilongwe_Fußballstadion

Der Rest unserer Reise durch den Norden Malawis war um einiges mehr wie Urlaub für uns alle und sehr aufregend! Dazu im nächsten Nordtripbericht mehr!

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2 Gedanken zu “Nordtrip I – Lilongwe

  1. Christine Höbermann sagt:

    Liebe Barbara, was für eine schöne Geschichte! Im bestimmten Fällen wär das Guardian System auch in deutschen Krankenhäusern eine sehr sinnvolle Ergänzung, bei dem was alles so schief geht … . Bei Kindern geht das ja z.T. schon.
    Gut, dass Du das so gut überstanden hast!
    Bin gespannt, wie es weitergeht 🙂
    Christine

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  2. sylvia sagt:

    Ups, wie abenteuerlich. Glücklicherweise ist alles wieder in Ordnung. Ihr macht aber auch Bekanntschaft mit allen Gepflogenheiten. Zwinker. …aber auch da sieht man mal wieder, was bei uns alles selbstverständlich ist!

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